Schwalbe digiTAL

 

Beitrag für „mediale baustelle“ erarbeitet mit Unterstützung des Klinke e.V. und Bediensteten der Justizvollzugsanstalt Zeithain

 

Vorbemerkung:

Im Landkreis Riesa- Großenhain befindet sich der Jugendvollzug des Freistaates Sachsen. Hier sind derzeit ca. 400 jugendliche Gefangene inhaftiert. Der Verein Klinke e.V. unterstützt seit 1995 die pädagogische Arbeit in der JVA Zeithain mit verschiedenen Angeboten im erlebnispädagogischen und kreativen Bereich. Dazu gehört unter anderem die anstaltseigene Zeitung „ZZZ- Zensierte Zeithainer Zeitung“. Diese ermöglicht den jugendlichen Redakteuren eine journalistische Auseinandersetzung mit dem Vollzugalltag. Nebenbei werden damit verschiedene Kompetenzen geschult, die auch auf ein Leben nach dem Vollzug vorbereiten.

 

 

Entstehungsgeschichte:

Klinke e.V. machte die Bediensteten der JVA, welche uns bei unserer Zeitung unterstützen, auf mb21 aufmerksam. Innerhalb einer Redaktionssitzung diskutierten wir, wie wir uns an Ihrem Wettbewerb beteiligen können. Schnell waren wir uns einig, dass wir gern eine Möglichkeit hätten, die unsere Zeitung auch für Nichtinsassen über das Internet lesbar macht und in Folge dessen eine Interaktion zwischen jugendlichen Inhaftierten mit der Gesellschaft entsteht.

 

Beitragsidee:

Unsere Zeitung wird vorrangig von Insassen der JVA Zeithain gelesen. Wir möchten gern den Wirkungskreis unserer Zeitung erweitern und erreichen, dass Internetnutzer außerhalb der Anstaltsmauern auf die Beiträge der Zeitung zugreifen und reagieren können. Im Rahmen eines Forums könnte ein Internetnutzer bsw. auf einen Erfahrungsbericht, ein Gedicht oder eine Zeichnung reagieren und Rückmeldung geben. Der betreffende Gefangene wiederum darauf antworten. Viele von uns haben wenig Kontakte zu Personen außerhalb des Vollzuges. Wir erhoffen uns davon eine Interaktion von jugendlichen Gefangenen mit anderen Jugendlichen aber auch Erwachsenen. Viele Menschen geben uns wenig Gelegenheit zu beweisen, dass wir nicht nur „hirnlose Verbrecher“ sind, sondern durchaus in der Lage sind unser Leben zu reflektieren und auch anerkennungswürdige Leistungen wie diese Zeitung zu vollbringen.

Leider ist die Umsetzung unserer Idee aus vollzugsbedingten und sicherheitsrelevanten Gründen nicht so einfach, aber wir sind überzeugt dass es machbar wäre. Weiterhin glauben wir, dass die Realisierung unserer Idee, durchaus Modellcharakter auch für andere Anstalten haben könnte.

Die Internetseite des Klinke e.V. ( www.klinke-riesa.de – übrigens von Mitgefangenen entwickelt, programmiert und layoutet) könnte Grundlage dieser Plattform sein.

 

Erläuterung zum Beitragstitel:

Unser Projekttitel mag für Nichtinsassen vielleicht etwas unverständlich sein, daher hier noch eine Erläuterung: Als Schwalbe bezeichnen wir in der „Knastsprache“ eine herausgeschmuggelte schriftliche Mitteilung. Wir wollen unsere Beträge zwar nicht herausschmuggeln aber Vollzugalltag und deren Probleme in die Öffentlichkeit tragen. „TAL“ steht für „Tal der Ahnungslosen“- zum einen, da wir aufgrund unserer Isolierung manchmal das Gefühl haben, dass wir uns an diesem Ort befinden und zum anderen weil wir glauben, dass auch viele Menschen wenig von uns hier drinnen wissen und somit auch auf der anderen Seite der Mauern ein solches Tal existiert. Dieses wollen wir mit Hilfe der Schwalbe überwinden.